Um Wifidog als Captive-Portal zu nutzen muss man einerseits den Authentifizierungs-Server und andererseits die eigentlich Gateway Software installieren. Der Authentifizierungs-Server ist grundlegend ein einfacher Webserver mit den entsprechenden PHP-Dateien und einer PostgreSQL-Datenbank im Hintergrund. Zunächst möchte ich hier beschreiben, wie man die Gateway-Software auf Basis von Ubuntu 8.04.04 (i386) installiert.
Voraussetzung:
Grundsätzlich gibt es viele Möglichkeiten die Gateway-Software zu installieren. Man kann Sie z.B. auf einem OpenWRT-System installieren – z.B. auf dem berühmten Linksys WRT54GL oder ähnlichen Routern. Andererseits kann man auch einen Computer mit 2 Netzwerkkarten nutzen, was wir getan haben:
Computer/Server mit 2 Netzwerkkarten
Die Hardware-Kompatibilität mit Ubuntu 8.04 versteht sich von selbst. Eine der Netzwerkkarten ist mit dem Netz verbunden, in dem der Webserver steht und von welchem aus Zugang zum Internet besteht. Die andere ist für die zukünftigen Clients des Captive-Portals zuständig.
Installation von Ubuntu 8.04.04 i386 Server-Edition:
Der Installation von Ubuntu folgen bis zur Auswahl der primären Netzwerkkarte. Hier muss man die Ethernet-Karte auswählen, die mit dem zu sperrenden Netz – im Normalfall dem Netz mit dem Webserver und Zugang zum Internet – verbunden ist. Als nächstes habe ich die automatische Konfiguration der Netzwerkinformationen abgebrochen und das Netzwerk manuell konfiguriert – wie zum Beispiel:
Adresse 10.49.127.10
Subnetzmaske 255.255.255.0
Gateway/DNS-Server auch entsprechend angeben.
Die Installation abschließen (sinnvoll wäre auch gleich während der Installation von Ubuntu den OpenSSH-Server zu installieren, welcher allerdings keine Voraussetzung für die Software ist).
Update und Grundkonfiguration
Nach der Installation und dem Neustart des Rechners wird es Zeit das System zunächst auf den aktuellen Stand zu bringen und nötige Updates zu installieren:
sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade
Als erstes ist es sinnvoll die 2. Netzwerkkarte richtig zu konfigurieren. Diese Netzwerkkarte wird Teil des späteren Client-Netzwerks sein. Die Clients die in diesem Netzwerk verbunden sind versuchen durch diese Netzwerkkarte auf das gesperrte Netzwerk (auf der während der Installation eingerichteten Netzwerkkarte) zuzugreifen. Folgende Konfiguration könnte man vornehmen:
sudo nano /etc/network/interfaces
# öffnet die Netzwerkkonfigurationsdatei
# anfügen und gegebenfalls anpassen:
auto eth1
iface eth1 inet static
address 192.168.10.1
netmask 255.255.255.0
eth1 muss man durch die entsprechende Netzwerkkarte ersetzt werden. Wenn eth1 benutzt wird um ins Internet zu gelangen, dann sollte es üblicherweise eth0 sein. Speichern und Schließen und anschließen ein Neustart der Netzwerk-Komponenten:
sudo /etc/init.d/networking restart
Um nun den Clients die im Netzwerk, des gerade ebend konfigurierten Interfaces, angeschlossen sind durch das 1. Interface Informationen aus dem gesperrten Netz empfangen zu lassen richtet man eine NAT-Regel ein und stellt IP-Forward an:
sudo sysctl net.ipv4.ip_forward=1
sudo iptables -A POSTROUTING -t nat -o eth0 -j MASQUERADE
# wenn eth0 das Interface ins gesperrte Netz ist
sudo iptables -A FORWARD -i eth1 -j ACCEPT
# wenn eth1 das Interface für die Clients ist
Um dieses Konfiguration dauerhaft zu übernehmen muss sie in /etc/sysctl.conf (um IP-Forward zu enablen, Suchstring: “net.ipv4.ip_forward”) bzw. /etc/rc.local für die iptables-Regeln. Die iptables-Regeln sind einfach (ohne sudo) in die rc.local einzufügen.
DHCP und Bind9 (DNS-Server) Installation:
Um die Clients auch automatisch mit den nötigen Netzwerkinformationen zu versorgen, sobald sie sich ins Netzwerk einklinken, ist ein DHCP- und ein DNS-Server notwendig. Diese installiert man mit folgendem Kommando:
sudo apt-get install dhcp3-server bind9
Anschließend muss man beide Konfigurieren. Beginnen wir mit dem DHCP-Server. Die entsprechende Datei ist /etc/dhcp3/dhcpd.conf Eine minimale Konfigurationsdatei könnte folgendermaßen aussehen:
default-lease-time 36000;
max-lease-time 72000;
authoritative;
subnet 192.168.10.0 netmask 255.255.255.0 {
range 192.168.10.5 192.168.10.250;
option domain-name-servers 192.168.10.1;
option broadcast-address 192.168.10.255;
option routers 192.168.10.1;
option subnet-mask 255.255.255.0;
}
Nun sollte man den DNS-Server konfigurieren. Das Konfigurations-Verzeichnis ist /etc/bind9 hier sind vor allem die Dateien named.conf.options und named.conf.local interessant. Man muss mindestens den bzw. die Referenz-DNS-Server angeben, den der lokale DNS-Server fragt, wenn er selbst den Namen nicht kennt.
/etc/bind/named.conf.options
…
forwarders {
# Eine Liste öffentlicher DNS-Server findet man leicht
# in einer Suchmaschine
194.25.2.129;
194.25.2.130;
};
….
Nun muss man den DHCP- und DNS-Server neu starten, um die neue Konfiguration zu übernehmen
sudo /etc/init.d/dhcp3-server restart
sudo /etc/init.d/bind9 restart
Jetzt kann man Testen, ob alles einwandfrei funktioniert. Dies ist erforderlich, um mit den nächsten Schritten fortzufahren. Wenn ein Computer, der im Client Netzwerk hängt eine IP-Adresse via DHCP zugewiesen bekommt und ins Internet bzw. in das später gesperrte Netz zugriff hat, dann sollte alles geklappt haben.
Wifidog-Gateway Installation
Zuerst einmal sollte man Programme installieren, die für das Kompilieren notwendig sind:
sudo apt-get install build-essential
Jetzt ist es Zeit den Quelltext der Wifidog-Gateway-Software herunterzuladen und zu installieren:
Aktuelle Download-Links sind auf http://dev.wifidog.org/wiki/Download zu finden.
wget http://downloads.sourceforge.net/project/wifidog/wifidog-gateway/1.1.5/wifidog-1.1.5.tar.gz
tar -xzf wifidog-1.1.5.tar.gz
cd wifidog-1.1.5
./configure
make
make install
Jetzt nur noch die Konfigurationsdatei kopieren und Wifidog mittels Symbolischen Link zur Verfügung stellen:
cp wifidog.conf /etc
# Befindet sich die Datei wifidog.conf nicht im aktuellen
# Verzeichnis (dem Verzeichnis der entpackten Software), kann
# man danach suchen: find / -name wifidog.conf
# Symbolischer Link für Wifidog-Software erstellen.
ln -s /etc/wifidog.conf /usr/local/etc/wifidog.conf
Wifidog-Gateway Konfiguration
Nun ist es an der Zeit die Software zu konfigurieren. Die Wifidog-Konfigurationsdatei (/etc/wifidog.conf) ist eigentlich selbsterklärend. Für eine minimale Konfiguration sollten folgende Dinge geändert werden:
GateWay Id: hotspot1
ExternalInt: eth1
InternalInt: eth0
AuthServer {
Hostname login.example.com
SSLAvailable no
Path /
}
# Hier muss man login.example.com durch die spätere
# (Sub)Domain des Webservers ersetzen, auf dem die
# Login-Seite laufen soll. Natürlich auch die Interfaces
# entsprechend ändern.
Wifidog Starten
Nun sollte alles erfolgreich konfiguriert und installiert sein. Für das starten der Gateway-Software ist es notwendig den Webserver für den Login bereits installiert zu haben.
wifidog -f -d 7
# -f bedeutet, dass wifidog im Vordergrund auf der Konsole laufen soll
# -d 7 wählt das Debuglevel.
Wenn folgender Fehler auftritt: “wifidog: error while loading shard libraries: libhttpd.so.0: cannot open shared object file: No such file or directory”, muss man folendes Kommando ausführen, danach sollte Wifidog normal starten:
ldconfig